03.06.2019

Wenn man den Erzählungen von Heinz Warneke (92) lauscht, wie schwierig bis unmöglich es einst war, bei den konservativen Schützenbrüdern selbst marginale Änderungen durchzusetzen, dann hat der 1. Brudermeister August Völse einst ein kleines Wunder vollbracht. Dem kann selbst der spätere 1. Brudermeister Hermann Möhring, dem wohl die tiefgreifendste Modernisierung der Schützenbruderschaft Bödexen während seiner Amtszeit gelang, nur uneingeschränkt zustimmen, denn bei der jüngsten Spurensuche des Vorstandes der Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft Bödexen kam Überraschendes ans Tageslicht. 

August Völse hat 1963 seinen Schützenbrüdern vorgeschlagen, den Status einer Gilde aufzugeben und sich dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften anzuschließen. Das hatte natürlich weitreichende Folgen. Unter anderem brauchte man zwei neue Fahnen, je eine für die Alt- und Jungschützen. So musste gleich eine Spendensammlung und das Erheben eines Eintrittsgeldes beim Schützenfest beschlossen und durchgeführt werden. Bereitwillig folgte man ihm. Bei den alten Fahnen wurden die textilen „Strümpfe“ durch Folien ersetzt und fortan blieben die 110 Jahre alten Gildefahnen in der Sakristei der alten Sankt-Anna-Kirche eingerollt an der Wand hängen. 1968 wanderten sie mit dem Inventar zur neuen Kirche am Mühlenberg und landeten auf dem Dachboden.

50 Jahre unbeachtet, bis Hermann Möhring den Spurensuchern den Tipp gab, die inzwischen mehr als 160 Jahre alten Schätze einmal hervorzuholen. Oberst Thomas Buch organisierte nun einen Fototermin und unter den Augen von drei 1. Brudermeistern, den Fähnrichen der Altschützen und Heinz Warneke wurden die Fahnen in der ehemaligen Sankt-Anna-Kirche den Hüllen entnommen und bei strahlendem Sonnenschein stolz dem Fotografen präsentiert.

Der Auftritt war nur kurz, denn der große Auftritt soll beim 400-jährigen Jubiläumsfest 2023 sein. Bis dahin sind sie erst einmal wieder auf den Dachboden zurückgekehrt, denn zunächst wird vom 22. bis 24. Juni in Bödexen Schützenfest gefeiert. Danach rückt die Spurensuche wieder in den Vordergrund. Die beiden Fahnen von 1858 flattern voran!

G.W.H.